QI GONG IM HERBST


Liebe Qi Gong Übende und Interessierte, 

Der Sommer
war groß und, wie vom Himmel angekündigt, mit viel Feuer.
Das Qi Gong im Herbst steht wie jedes Jahr unter dem Motto:
Konzentration, Klarheit und Stärke.

Das können wir alle gut gebrauchen.
Und das Eine bedingt das Andere.

In der Natur ist die Konzentration im Herbst ein ganz natürlicher Prozess. 
Hat sie sich vom Frühling bis hierhin in einer Farbpalette von Spargel
über Kürbis bis Zwetschge gebogen,
verdichtet sie sich und ihre Früchte zu einem kaum überschaubaren Potpourri aus
Obst, Gemüse, Wurzeln, Nüssen, Knollen und Zapfen.

Sie stellt uns zur Gänze das zur Verfügung, was sie im Jahresverlauf hervorgebracht hat,
eine Hülle und Fülle, die uns zum Schwelgen einlädt.

Gärtner- und Obstbaumbesitzer-innen können ein Lied davon singen:
Marmeladenkreationen rauf und runter, Saftmixturen in den buntesten Farben, Rumtöpfe.
Seit Jahrhunderten wird probiert, das große Yang des Sommers in allen möglichen
Gläsern, Flaschen und Formen für das große Yin des Winters, einzufangen. 
Bei den Bienen beginnt diese Völlerei bereits Anfang Juli,
nämlich dann, wenn sie den Honig fertigstellen. 
Wabe voll, Nektar konzentriert, Deckel drauf und konserviert.

Diese Konzentration spüren wir
Je mehr wir uns mit der Natur verbinden,
desto deutlicher wird der Übergang vom großen Yang, dem Sommer,
in das kleine Yin, den Herbst.
Gerne wird dieses Phänomen von einem hauch Melancholie begleitet.
Mit den kürzer werdenden Tagen geht ein Gefühl von Verlust einher,
ein unumgängliches Loslassen drängt sich in uns.

Wieder macht’s Mutter Erde uns vor.
Ohne viel Getöse, wie wir das gerne veranstalten,
wenn etwas zu Ende geht, von dem wir dachten, es sei für immer und ende nimmer.

Lässt sie einfach los
Lautlos.

Genau genommen macht sie das ja gar nicht. 
Es ist ja keine aktive Entscheidung von ihr. 
Sie lässt geschehen.
Anstatt sich um Vergangenes zu kümmern, kümmert sie sich einzig und allein um die Konzentration

Alles und alle rücken näher zur Mitte hin
Das müssen sie auch, denn sonst würde keiner den Winter überleben. 
Kein Blümchen, kein Hase, kein Baum, kein Strauch, nichts.
Die Konzentration sichert das Überleben.
 

Und weil wir doch so eng mit der Natur verbunden sind und ja sogar ein Teil von ihr,
müsste das bei uns im Prinzip gleich funktionieren?
So stellt sich für mich die Frage: 
Sichert die Konzentration auch unser Überleben?

Ganz spontan und ohne zu überlegen würde ich sagen: 
Ja, natürlich.

Aber dann spurten auch schon wieder unzählige „Abers“ hinterher.
Denn so einfach ist das mit der Konzentration ja nun auch wieder nicht.
Wir ziehen uns ab Herbst vielleicht mehr ins Haus zurück,
aber unser Arbeitsalltag bleibt unverändert.
Die Tage werden kürzer, doch das künstliche Licht hält sie für uns lange genug.
Wir könnten saisonale Produkte essen, kaufen aber auch Erdbeeren an Weihnachten.
Und während die geistigen Reize der Natur in Form und Farbe  weniger werden,
liefern die Medien jederzeit Ersatz. Von einer natürlichen Konzentration,
einem Rückzug oder einer Reduzierung kann also keine Rede sein.

Nun bleibt die Frage stehen: 
Wo findet Konzentration überhaupt noch in uns statt und
wozu brauchen wir sie überhaupt noch?
Wenn man sich so umschaut und auch die Faktenlage hinzuzieht,
wird eine traurige Tatsache offensichtlich: 
Konzentration steht für uns Menschen gerade nicht auf der Topliste.

Wir zerstreuen uns im Herbst und Winter ähnlich wie im Sommer.

Und wenn wir uns nun fragen, ob wir die Konzentration grundsätzlich noch brauchen,
dann muss die Antwort lauten: 
Ja. Eindeutig. 

Und zwar dringender denn je.

Es herrscht eine große Verwirrung und Verlorenheit in und um uns Menschen.
Konzentration wäre ein gutes Hilfsmittel, um dieser entgegenzuwirken.

Grad so, wie wenn ein Baum, der den ganzen Sommer hindurch ein undurchsichtiges,
wirres Blätterkleid getragen hat, dieses im Herbst einfach fallen lässt. 
Klarheit stellt sich ein
Der Stamm, die Äste, die Struktur werden sichtbar.
Der Baum konzentriert sich auf seine Wurzeln, auf das Innerste, die Mitte
Und dann geschieht es einfach, 
dass Unwesentliches abfällt.
Lautlos trudelt es zu Boden, und das Wesentliche kommt zum Vorschein.

So wird der Baum jedes Jahr stärker, baut einen neuen Jahresring auf.
Und diese Stärke vermag es, ihm von innen heraus Stabilität zu geben.

Wir Menschen brauchen im Gegensatz dazu wohl eher geistige Jahresringe.
Damit wir eine innere Stärke aufbauen, kon-zentrisch werden und klar.

Vielleicht ist das auch genau die Kraft des Tigers.
Nicht laut und aufgeregt.
Nicht überall zugleich.
Sondern konzentriert, gesammelt und da.
Im richtigen Moment.

Wäre es also keine gute Idee, wenn wir Menschen beschließen würden,
wieder mehr Baum sein zu wollen?



Das kann Qi Gong im Herbst:
– fördert Konzentration, Klarheit & Stärke
– harmonisiert den Atem
– reguliert Lungen und Dickdarm
– hilft uns, unsere Emotionen zu beruhigen
– stärkt das Element Metall und die Abwehrkräfte
– verbindet uns mit dem Tiger des Westens

Mit dem ersten Herbstlaubrascheln schicke ich
Euch die herzlichste Einladung zum gemeinsamen Üben.

Eure Heidi

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