In einer Zeit, in der wir zwar Uhren, aber keine Zeit mehr haben, gleicht Qi Gong
mit seiner kostbaren Langsamkeit schon beinahe einer Rebellion.
Heute möchte ich mit Dir darüber plaudern, warum diese Langsamkeit so wertvoll sein kann.
Dazu greife ich gerne auf unsere alten schwäbischen Redewendungen zurück
und staune immer wieder, wie viel Weisheit darin steckt.
Wenn die Zeit knapp wird und eine Sache trotzdem bestmöglich
zu Ende gebracht werden muss, sagen wir Schwaben:
„Not it hudla.“
Als Kinder haben wir immer noch angefügt: „Schpageddi sind au blos Nudla“.
Drei Worte, die alles sagen.
Und genauso übt man Qi Gong: Man hudelt nicht.
Am Anfang steht immer die Entscheidung, sich Zeit für sich zu nehmen.
Man bereitet den Körper vor, richtet sich geistig ein und beginnt dann erst
mit den eigentlichen Übungen.
Die Bewegungen werden langsam ausgeführt.
Man macht eines nach dem anderen.
Langsamkeit – eine ziemlich rebellische Idee
Betrachten wir uns Menschen einmal von außen, müssen wir wohl zugeben,
dass sich unsere Art zu leben ziemlich verändert hat.
Über viele Generationen hinweg bewegte sich der Körper ganz selbstverständlich:
bei der Feldarbeit, der Hausarbeit, im Handwerk und
all den Dingen, die zum täglichen Leben gehörten.
Wir mussten uns früher nicht extra bewegen.
Wir waren es schon.
Heute ist es fast paradox: Unser Körper ist im alltag oft kaum noch aktiv,
während uns Apps und technische Helfer immer mehr Arbeit abnehmen.
Dafür sind unsere Gedanken ständig unterwegs.
Sie sprinten, rasen, überschlagen sich gar,
gerne Tag und Nacht.
Wenn wir jetzt mit der Idee daherkommen,
dass Langsamkeit da hilfreich sein soll,
ist das schon ziemlich rebellisch, oder?
Und doch möchte ich daran festhalten.
Angenommen, wir fangen an, unseren Körper langsam und bewusst zu bewegen,
beginnt sich der Strom unserer Gedanken ganz beiläufig zu beruhigen.
Die langsamen Übungen im Qi Gong geben dem Körper etwas zu tun.
Dem Geist bietet sich jetzt die Möglichkeit, sich nach und nach
dem gemächlichen Tempo dieser Bewegung anzugleichen.
Auch ich ertappe mich dabei, vor allem, wenn es im Alltag stressiger wird,
in alte „Hudelmuster“ zu fallen.
Wenn ich dann übe, was ich beinahe täglich mache,
durchbreche ich dieses Muster.
Immer wieder und immer wieder.
Dabei zu bleiben, statt schon wieder drei Schritte,
ach was sage ich Tage,
Jahre beinahe voraus zu spurten.
Natürlich braucht das Geduld und vielleicht auch ein wenig Disziplin.
Doch meiner Erfahrung nach reichen oft schon zwei bis drei Übungseinheiten,
um einen ersten Unterschied zu spüren.
Es geschieht einfach: eines nach dem anderen.
Langsam erobern wir uns auch die Zeit zurück
Wenn wir langsamer werden, nehmen wir wieder wahr, was gerade da ist.
Wir spüren unseren Körper und entdecken vielleicht auch unsere Grenzen,
die im Alltag gerne einmal untergehen.
Es geht nicht darum, noch etwas besser oder schneller zu machen.
Sondern darum, überhaupt wieder mitzubekommen,
was in uns und um uns herum geschieht.
Die Zeit erobern wir uns dann zurück, wenn wir eines nach dem anderen tun.
Mit Anfang, Mittelteil und Ende.
Und wenn etwas zu Ende gebracht ist,
haben wir manchmal auch ein Stück von uns selbst zurückgewonnen.
Mein Fazit: Starte Deine Langsamkeitsrebellion noch heute.
Ungerne verrate ich Dir jetzt noch mein kleines Geheimnis:
Ich übe mich täglich im „No it Hudla“.
Denn wie schön erwähnt, wäre ich von Natur aus eher eine „Hudlerin“.
Das ist wohl meine Prägung.
Aber irgendwann in meinem Leben habe ich beschlossen,
richtig gut in dieser Kunst des „No it Hudla“ zu werden.
Und wenn man etwas richtig, richtig gut machen möchte,
heißt das üben, üben, üben!
Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, wie sehr Qi Gong mir dabei hilft,
diese Kunst zu erlernen.
Und ich bin überzeugt, dass es auch Dich dabei unterstützen kann.
Für mich und viele Übende ist Qi Gong das beste Handwerkszeug,
um aus der Hektik unseres Alltags auszusteigen.
Und dabei ist es so viel mehr als eine Übungspraxis.
Es ist mir Trost, Licht und Hoffnung, Mut und Kraft.
Und es gibt mir das Vertrauen zurück, dass wir Menschen am Ende
doch die wunderbarste Erfindung der Natur sind.
Klar kostet uns diese Langsamkeit Zeit.
Und manchmal müssen wir es erst einmal aushalten,
uns „nur“ mit uns selbst zu beschäftigen.
Mittlerweile habe ich beinahe das Gefühl,
dass genau darin eines der
letzten Abenteuer der Menschheit liegen könnte.
Und, bist Du neugierig auf Dich?
Bist Du bereit für eine Expedition in die Langsamkeit?
Oder fragst Du Dich, ob diese Praxis auch für Dich etwas in Langsamkeit bringen kann?
Fühle Dich herzlich eingeladen, es selbst zu erleben.
Lesen kann inspirieren.
Wirklich erfahrbar wird Qi Gong jedoch erst durch das Üben.
Wenn Du Lust bekommen hast, es auszuprobieren,
bist Du jederzeit in einem meiner Kurse willkommen.
Ich freue mich, Dich kennenzulernen und ein Stück auf Deinem Weg zu begleiten.
Falls Dich dieser Artikel zum Nachdenken angeregt hat, erzähl mir gerne davon.
Oder gibt es etwas rund um Qi Gong, worüber Du gerne mehr erfahren möchtest?
Herzlichst,
Heidi
Meine Angebote
Qi Gong | Meditation | Impulse – für mehr Balance und innere Stärke.
Schreibe einen Kommentar